Sichern Sie die Wirtschaftskraft Ihres Unternehmens durch frühzeitige Regelung der Unternehmensnachfolge

Die Frage nach dem Nachfolger für das eigene Unternehmen stellen sich Unternehmer häufig erst, wenn anlässlich des Ruhestands, gesundheitlicher Beschwerden o.ä. das Ende der eigenen Karriere absehbar wird. Nicht selten ist es dann schon zu spät, um eine optimale Regelung zu treffen. Dadurch geht zumindest Geld verloren, zumeist in Form vermeidbarer Steuern. Das Fortbestand des Unternehmens wird jedoch ernsthaft gefährdet, wenn der Unternehmensinhaber plötzlich verstirbt und sich die Erben vor vollendeten Tatsachen stehen sehen.

 

Stattdessen ist es für eine optimale Aufstellung des Unternehmens unerlässlich, die Frage nach der Unternehmensnachfolge so früh wie möglich zu klären. Spätestens nach der Heirat oder nach der Geburt des ersten Kindes führt kein Weg an der Planung der Nachfolge im Unternehmen vorbei.

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Unternehmensnachfolge zu gestalten, nämlich

  1. durch Übertragung des Unternehmens zu Lebzeiten des Unternehmers
  2. durch erbrechtliche Übertragung nach dem Tod des Unternehmers

 

Dabei sind verschiedene Interessen zu berücksichtigen und auszugleichen:

  1. die des Unternehmensinhabers
  2. die des designierten Nachfolgers
  3. die der übrigen nicht berücksichtigten Erben
  4. die der übrigen Gesellschafter

 

Im ersten Schritt ist herauszufinden, welche Ziele mit der Gestaltung der Unternehmensnachfolge verfolgt werden sollen. Es lassen sich harte und weiche Ziele unterscheiden. Harte Ziele drehen sich zumeist um Geld, insbesondere den Erhalt der Wirtschaftskraft des Unternehmens und die Vermeidung einer hohen Steuerlast (Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer), während weiche Ziele die persönliche Beziehung der Beteiligten zum Unternehmen betreffen. So ist es bei Familienunternehmen häufig ein wichtiges Anliegen des Unternehmers, wenn nicht sogar das wichtigste, das Unternehmen in der Familie zu erhalten und mit dazu den „guten Namen“ dahinter zu wahren. Indem die Ziele identifiziert werden, werden gleichsam die verschiedenen am Unternehmen teilnehmenden Interessen offenkundig, die es auszugleichen gilt.

 

Sind die Ziele identifiziert, geht es darum, die allen Beteiligten gerecht werdende Rechtsstruktur zu finden und zu gestalten.

In der folgenden Übersicht können Sie die Vor- & Nachteile der beiden Gestaltungsmöglichkeiten überblicken und damit die Frage beantworten, welches Modell sich für wen am besten eignet.

 

Lebzeitige Unternehmensnachfolge

Vorteile Nachteile Für wen geeignet?
  • Langfristige Einarbeitung des Nachfolgers möglich
  • Meist geringere Besteuerung, da Wertzuwachs des Unternehmens bis zum Erbfall unberücksichtigt bleibt
  • Freibeträge bei Schenkungsteuer ausnutzbar
  • Geringe Flexibilität des Unternehmensinhabers, da frühzeitig Macht abgegeben wird
  • Meist sind einige Zustimmungen von Dritten (z.B. Ehegatten, Ergänzungspfleger des minderjährigen Nachfolgers) einzuholen
  • Familienunternehmer, deren designierte(r) Nachfolger feststeht
  • Unternehmer, die sich aus dem operativen Geschäft in absehbarer Zeit zurückziehen möchten

 

 

Unternehmensnachfolge von Todes wegen

Vorteile Nachteile Für wen geeignet?
  • Macht des Unternehmensinhabers bleibt lange erhalten
  • Höhere Flexibilität, da leichtere Loslösung von bereits getroffenen testamentarischen Verfügungen
  • (Finanzieller) Ausgleich zu den nicht berücksichtigten Familienmitgliedern besser durchführbar
  • Ungewissheit über den Zeitpunkt des Erbfalls
  • Finanzielle Nachteile, wenn Unternehmenswert im Lauf der Zeit gestiegen
  • Familienunternehmer, die viele Interessen (Kinder, Verwandte, Ehegatte) auszugleichen haben
  • Unternehmer, die lange an der Macht bleiben wollen und/oder deren Nachfolger (noch) nicht feststeht

 

Zwischenfazit:

Die lebzeitige Unternehmensübertragung an den Nachfolger bringt vor allem finanzielle Vorteile mit sich, während die erbrechtliche Lösung vor allem mehr Flexibilität erhält. Beide Konzepte schließen sich aber nicht aus und können kombiniert werden. Erbrechtliche Verfügungen wie ein Testament sollten sogar immer gemacht werden, denn der Todeszeitpunkt ist nicht vorhersehbar und die Erben können sich dann ungeordneten Verhältnissen gegenüberstehen, die nicht selten zu Streitigkeiten führen und nicht nur den Familienfrieden, sondern auch das Unternehmen gefährden können.

 

Gestaltung auf gesellschaftsrechtlicher Basis

Des Weiteren ist es unerlässlich, im Gesellschaftsvertrag Klauseln einzufügen, die die Nachfolge auch im Verhältnis zu den Mitgesellschaftern regeln. Dies sollte im Idealfall schon bei der Gründung geschehen, jedenfalls aber schnellstmöglich nachgeholt werden.

 

  1. Kongruenz zum übrigen Nachfolgekonzept

Die Regelungen im Gesellschaftsvertrags müssen zunächst mit dem Nachfolgekonzept kongruent sein. Eventuelle Widersprüche sind auszuräumen. Ansonsten können bestimmte Regelungsziele vereitelt werden. Beispielsweise kann eine Erbengemeinschaft nicht als solche die Rechtsnachfolge in einen Anteil einer Personengesellschaft antreten (BGHZ 22, 192; 58, 317; 68,225).

 

  1. Interessenausgleich mit den Mitgesellschaftern

Sind mehr als eine Person am Unternehmen beteiligt, müssen die Mitgesellschafter vom eigenen Nachfolgekonzept überzeugt werden (, sofern keine Mehrheitsbeteiligung besteht). Schließlich sind diese einst eine gesellschaftsvertragliche Bindung ganz gezielt mit einer Person eingegangen und werden womöglich nicht ohne Weiteres eine andere Person als neuen Mitgesellschafter akzeptieren.

Bedenken der Mitgesellschafter können kompensiert werden, indem die Nachfolge beschränkt und in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. In Betracht kommen:

 

  • Eine Qualifikationsklausel, die bestimmte Vorkenntnisse beim Nachfolger voraussetzt, z.B. Berufserfahrung
  • Die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers, der die Rechte aus der Beteiligung wahrnehmen soll
  • Eine Altersklausel, die ein Mindesteintrittsalter beim Nachfolger vorsieht
  • Einschränkungen hinsichtlich der Rechte des Nachfolgers, z.B. hinsichtlich der Stimmrechte und der Rechte am Gewinn

 

  1. Möglichkeiten der Beschränkung der Erbfolge

Unter Umständen steht bei den Erben kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung oder kein Erbe ist bereit, die Nachfolge anzutreten. Im letzten Fall ist die Lösung relativ simpel: die Erben verzichten auf ihr Erbe. Im ersten Fall ist problematisch, dass weder der Erbe so einfach von der Nachfolge ausgeschlossen („enterbt“), noch die Vererblichkeit des Unternehmensanteils ausgeschlossen werden kann. Es gibt jedoch Gestaltungsmöglichkeiten, um im Ergebnis die Erben doch aus dem Unternehmen zu halten:

 

  • Einziehung des Unternehmensanteils für den Fall der Beerbung durch einen Nichtgesellschafter
  • Abtretungsklauseln, wonach der/die Erben verpflichtet sind, den ererbten Anteil an bestehende Gesellschafter/die Gesellschaft abzutreten
  • Lebzeitige Einigung mit den Erben über einen Erbverzicht, eventuell gegen Abfindung

 

  • Sichern auch Sie den Fortbestand Ihres Unternehmens. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin.

 

Benjamin Schell

You must be logged in to post a comment.